Mädchenspielzeug oder Jungenspielzeug – was ist das Richtige für mein Kind?

In vielen Köpfen von Eltern herrscht nach wie vor große Sorge, wenn das eigene Kind nicht mit geschlechterspezifischen Spielzeugen spielt – viele Jungs interessieren sich plötzlich für Puppen, viele Mädchen spielen gern mit Spielzeugen. Doch woran liegt das und sollte uns das wirklich stören?
Der Ursprung für die Interessen des Kindes ist meist simpel: Es möchte die Eltern nachahmen. Dementsprechend greifen auch Jungs gern zu Puppen, wenn noch ein weiteres Kind – ein Baby – im Haushalt ist und der Vaters sich liebevoll darum kümmert. So ahmt er immerhin die Verhaltensweisen des Vaters nach und möchte ebenso sein wie er. Selbiges gilt für Mädchen, die liebevoll mit Autos spielen, vor allem dann, wenn sie oft die Mutter am Lenkrad des Wagens sehen. Doch nicht nur durch das Verhalten der Eltern, auch durch weitere Sozialkontakte, Erfahrungen im Kindergarten, eigene Interessen des Kindes und die Werbung, mit der das Kind konfrontiert wird, nehmen maßgeblichen Einfluss auf die bevorzugten Spielzeuge der Kinder. Sollte man sich darüber wirklich Gedanken oder Sorgen machen? Ganz klar: Nein!

Die Unterscheidung zwischen Pink und Blau

Die klare Trennlinie, die wir schon vor vielen Generationen gezogen haben, bezieht sich nicht nur auf verschiedene Spielzeuge, sondern wird auch von Farben beeinflusst: Mädchen tragen gerne Pink, Jungs gerne Blau. So findet sich auch in vielen größeren Spielwarengeschäften eine klare Trennung der Geschlechter. Während Mädchenspielzeug häufig mit pinken Preisschildern versehen ist, haben Spielzeuge für Jungen meist ein blaues Schild. So wird nicht nur uns Eltern, sondern auch den Kindern frühzeitig vorgelebt, was als männlich und was als weibliches Spielzeug gilt. Meist interessiert das Kinder jedoch deutlich weniger als die Eltern selbst – denn den Kids geht es hauptsächlich darum, was ihnen beim Spielen Freude bereitet.

Eine Studie im Kindergarten

Um die Auswirkungen von geschlechterspezifischen Spielzeugen im Kindergarten und die Folgen auf das Sozialverhalten der Kinder zu erforschen, strebte eine Gruppe von Psychologen eine Studie in einem Kindergarten an: Zuerst wurden für zwei Monate die Spielzeuge rigoros voneinander getrennt. Es gab eine Mädchenecke, die mit Puppen und Kleidern ausgestattet war, sowie eine Spielzeugecke für Jungen, in der sich Autos und Bauklötze finden. Das Ergebnis: Während der zweimonatigen Phase der Trennung spielten Jungen und Mädchen nahezu restlos getrennt voneinander und beschäftigten sich im Großen und Ganzen ausschließlich mit dem für sie vorgesehenen Spielzeug und ihren gleichgeschlechtlichen Gesellen.

Zwei Monate später legte der Kindergarten beide Spielecken zusammen – rasch zeigte sich, dass nun auch die Mädchen mit dem Jungenspielzeug und die Jungen mit dem Mädchenspielzeug spielten. Dies nahm natürlich maßgeblichen Einfluss auf das Sozialverhalten der Kinder: die emotionalen Kompetenzen verbesserten sich, der Horizont wurde erweitert. Und das Beste daran war, dass die Kinder sich darüber nicht die geringsten Gedanken machten, sondern einfach eine verstärkte Freude beim Spiel entwickelten, auch mit dem jeweils anderen Geschlecht.

Geschlechterspezifisches Spielzeug – Ja oder Nein?

Nach zahlreichen Studien empfehlen die Experten: Nein. Das Kind sollte die Freiheit bekommen, sich sein Spielzeug selbst auszusuchen, sofern es sich in einem Alter befindet, in dem es diese Entscheidung treffen kann. Wenn es eher zu geschlechteruntypischem Spielzeug tendiert, dann ist das eben so. Langfristig wird das Kind nur von der Vielfalt der Spielzeuge und dem dadurch
gestärkten Sozialverhalten profitieren. Ganz klar steht hier das Vergnügen, die Freude und der Lerneffekt des Spielzeuges im Vordergrund, nicht etwa die Selektion nach Geschlechtern. Und auch um negative Folgeschäden sollte man sich keine Gedanken machen, denn die verwendeten Spielzeuge nehmen nur bedingten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes.

Wonach dann selektieren?

Dennoch gibt es natürlich einige Auswahlkriterien, die bei der Auswahl der Spielzeuge von großer Bedeutung sind. Diese beziehen sich jedoch nicht auf das Geschlecht des Kindes, sondern auf den von dem Spielzeug ausgehenden Lerneffekt und dessen Zusammensetzung. So sollte man bei der Auswahl für Kinderspielzeuge klar auf natürliche Stoffe setzen (Holz, unschädliche Farben in der Verwendung, weiche Stoffe…), sodass keine negativen, gesundheitlichen Folgen zu erwarten sind. Außerdem sollte bei Kinderspielzeug ein kleiner Lerneffekt mit einhergehen: die eigenen Sinne erforschen im Babyalter, Sozialkompetenz, Rollenspiel, eigene Interessen in den folgenden Jahren. Im Fokus sollte jedoch immer der Spielspaß und die Freude des Kindes stehen – unabhängig von der Geschlechterrolle.

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